Videos produzieren als pädagogische Methode

Bild: Maximilian Voigt, Stop-Motion Filmset. Lizenz: CC-BY 4.0

Wie können Schüler*innen Medienkompetenzen erlangen und damit den kritischen Umgang mit Medien lernen? Zum Beispiel, indem sie in die Lage von Medienschaffenden versetzt werden und selbst hinter der Kamera stehen. Beim letzten edulabsBE-Treffen haben wir zu diesem Thema medienpädagogische Erfahrungen zusammengetragen und im Folgenden für euch aufgeschrieben. „Mein Grundsatz ist: ergänzen statt ersetzen“ Kai Wörner über seine Erfahrungen mit digitalen Tools im Unterricht.

Mehrwert für Lehrende

  • Schüler*innen sind in der Regel hoch motiviert, wenn sie selbstständig Videos produzieren dürfen.
  • Es werden oft die Schüler*innen abgeholt, die Probleme mit theorielastigen Unterrichtsinhalten haben.
  • Projektorientiertes und kollaboratives Arbeiten stärken den Klassenzusammenhalt.
  • Videos produzieren bedeutet keine „verlorene Zeit“: Das Schreiben von Drehbüchern und das Erstellen von Storyboards kann beispielsweise leicht in den Deutschunterricht integriert werden.
  • Technikangst überwinden: Weil Lehrende bei projektorientierten Unterrichtseinheiten als Lernbegleiter auftreten, können sie mit den Schüler*innen gemeinsam die Technologie erforschen und nehmen sich damit den Druck, die Geräte und Programme bis ins letzte Detail verstanden haben zu müssen.

Mehrwert für Schüler*innen

  • Auch hier gilt: Es werden oft die Schüler*innen abgeholt, die Probleme mit theorielastigen Unterrichtsinhalten haben. Sie entwickeln eine neue Sichtweise auf das Lernen und gegebenenfalls Motivation sich selbst Wissen anzueignen.
  • Der Klassenzusammenhalt wird gestärkt. Schüler*innen lernen sich anders kennen und schätzen.
  • Es werden Kompetenzen im Umgang mit der Kamera, dem Ton und der Erstellung von Drehbüchern erworben.
  • Manche Schüler*innen werden motiviert, sich in der Freizeit weiter mit dem Medium Film zu beschäftigen.

Formate und Kompetenzen, die sie vermitteln

Neben dem möglichen Erwerb sozialer sowie technischer Kompetenzen, wie der Umgang mit der Kamera, dem Ton oder den Schnittprogrammen, erlernen die Schüler*innen auch durch das konzeptionelle Arbeiten unterschiedliche Fertigkeiten: Beispielsweise fördert das Erstellen eines Storyboards das Denken in Bildern, die Auseinandersetzung mit filmischem Erzählen vermittelt ein Gefühl für Länge und das Schreiben von Drehbüchern schult die Kunst des kreativen Schreibens. Abhängig vom Format erlernen die Schüler*innen weitere Kompetenzen:

Stop-Motion/Trickfilm

Beispiel „3D-Druck trifft Trickfilm“: Die Schüler*innen entwerfen 3D-Figuren und drucken diese mithilfe eines 3D-Druckers aus. Anschließend nutzen sie die Figuren bei der Erstellung eines Stop-Motion-Filmes.

  • Das Erstellen von 3D-Modellen kann das räumliche Denken verbessern.
  • Der Umgang mit einem 3D-Drucker nimmt dem Gerät die Magie und fördert die Auseinandersetzung mit seiner Technik.
  • Geduld lernen: Stop-Motion-Filme sind Geduldsspiele, weil Bewegungen in mühevoller Feinarbeit, Bild für Bild erarbeitet werden.

Dokumentation

Eine Dokumentation kann die filmische Darstellung von Versuchen im Biologieunterricht sein oder einer Problematik aus dem Alltag. Alternativ kann auch eine Screencasting-Software eingesetzt werden, wenn digitale Aspekte dokumentiert werden sollen (Beispiel: Erstellung von Tutorials).

  • In jedem Fall müssen die Themen erst durchdrungen worden sein, wenn sie anschließend filmisch zusammengefasst werden sollen.
  • Das fördert Recherchekompetenz und Quellenkompetenz.
  • Auch kann die Macht der Manipulation durch Bewegtbilder anhand der Analyse von Falschnachrichten behandelt werden, wie der Brutkastenlüge.

Spielfilm

Beim Spielfilm kommen Schüler*innen auch selbst vor die Kamera und lernen darstellendes Spiel und neue kreative Ausdrucksmöglichkeiten kennen. Dabei überwinden sie die Scheu vor der Kamera und setzen sich mit Körpersprache und Stimme auseinander. Tipp: Die Wahrnehmung von Film kann durch folgendes Experiment reflektiert werden: Die Schüler*innen teilen sich in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe hat verbundene Augen, die andere ist mit Ohrstöpseln ausgestattet. Die jeweiligen Gruppen sollen sich auf das Hören beziehungsweise Sehen von Filmvorführungen konzentrieren und ihre Erfahrungen anschließend diskutieren.

Empfehlungen

  • Die Schüler*innen sollten ihre fertigen Videos veröffentlichen, denn das stärkt das Selbstvertrauen und die Motivation wird gesteigert.
  • Datenschutz: Sollen die Schüler*innen vor der Kamera auftreten, werden die Genehmigungen der Eltern benötigt. Erfahrungsgemäß verbieten das viele Eltern und es muss auf andere Formate zurückgegriffen werden.
  • Eine gute Lösung für fehlende Technik ist es, mit dem Smartphone der Schüler*innen zu arbeiten. Problem: Der Ton ist oft schlecht.
  • Storyboard anlegen: Das hilft bei der Organisation der Kameraaufnahmen und dabei, dass keine Bilder vergessen werden, um eine gewünschte Handlung darzustellen.
  • Zur Erläuterung der Einstellungsgrößen können Videos verwendet werden, beispielsweise folgendes:

Ein Video zu Einstellungsgrößen. Lizenz: CC-BY 4.0
  • Altersklassen: Ab 10 Jahren können erfahrungsgemäß abstraktere Themen behandelt werden.
  • In der Regeln kommen die Schüler*innen mit eigenen Ideen.
  • Das Produzieren von Videos und Filmen ist für alle Fächer interessant.
    • Im Fach Mathematik können zum Beispiel zur Ergebnissicherung Probleme zusammengefasst werden.
  • Freiheiten lassen: Wenn zum Beispiel Schüler*innen darauf bestehen, kein Storyboard anlegen zu wollen, sollten sie die Erfahrung machen. Am Ende kann dann diskutiert werden, inwiefern das Vorgehen zielführend war.

Software

Screencasting:

Schnittprogramme:

  • Moviemaker:
    Vorteile: kostenlos
    Nachteile: Windows Software
  • Kdenlive:
    Vorteile: ist Open Source
    Nachteile: läuft nur auf Linux
  • Die App Stopmotion Studio:
    Vorteile: sehr einfache Anwendung
    Nachteile: hat Grenzen (es können nicht unbegrenzt Tonspuren hinzugefügt werden), nicht auf allen Plattformen anwendbar
  • Magix:
    Nachteil: nur unter Windows nutzbar, nicht kostenlos, hat Bugs (störanfällig)
  • Lightworks:
    Vorteile: läuft auf jedem System, kostenlos
    Nachteile: man muss sich anmelden

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