H5P im Unterricht - Erfahrungen und Ideen

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H5P ist eine freie und quelloffene Software zum Erstellen von interaktiven Lern- und Lehrinhalten. Mit diesen treten Nutzende in Interaktion, statt sie einseitig zu konsumieren. Beispiele sind: Lückentexte, Drag and Drop, interaktive Videos oder Online-Memory. Die verschiedenen Inhaltstypen sind miteinander kombinierbar, sodass vielfältige Lehr- und Lerninhalte entstehen. Inhalte werden direkt auf der H5P-Website erstellt und anschließend über einen Code in den Quelltext des eigenen Blogartikels eingefügt. Alternativ lässt sich H5P auch als Plugin in eine Drupal, WordPress oder Moodle-Installation integrieren. Die Erstellung von H5P-Inhalten funktioniert dann analog zur Erstellung eines Blogbeitrages. Einmal erstellte H5P-Inhalte können heruntergeladen und auf Wunsch weiter bearbeitet werden. Es sind keine Programmier- oder Technik-Kenntnisse erforderlich. Initiiert wurde H5P in Norwegen und wird getragen vom Gedanken der Open Educational Resources. Das Projekt setzt auf offene Standards wie HTML5, wodurch Nutzenden das Erstellen, Teilen und Verändern von Inhalten erleichtert wird.

Anwendungsmöglichkeiten

Ein Beispiel für den Inhaltstyp Timeline: “History of strawberries


Schülerzentriert arbeiten

Viele Sachverhalte lassen sich mit Hilfe von digitalen und interaktiven Materialien anschaulich darstellen. Mit H5P können Lehrende zum Beispiel interaktive Videos, Schaubilder und Präsentationen erstellen, durch die Lernende ihr Verständnis unmittelbar überprüfen. Diese Art der Wissensvermittlung und -sicherung ist in vielen didaktischen Settings und Konzepten denkbar: Sowohl im Flipped Classroom, als Wochenplanarbeit, als auch in einem Lernzirkel tragen diese interaktiven Lernmaterialien zu einem schülerzentrierten Lernen bei.

Selbstgesteuert üben

Durch vielfältige Aufgabenformen, wie Zuordnungsaufgaben, Lückentexte, Spracheingaben, üben Lernende und festigen ihr Wissen. Sie erhalten unmittelbare Rückmeldungen über ihren Kenntnisstand und können so bewusster und zielgenauer arbeiten.

Themen durch eigene H5P-Inhalte vertiefen

Da jeder H5P-Inhalte ohne technisches Wissen erstellen kann, ist es auch Lernenden möglich, Wissen zu vertiefen, indem sie eigene interaktive Lernmaterialien entwickeln. Durch gruppenorientierte Projektarbeiten lösst sich der Unterricht kompetenzorientiert gestalten. Dadurch können beispielsweise Kreatitivät und Kollaboration im Hinblick auf die 4K gefördert werden.

„Mein Grundsatz ist: ergänzen statt ersetzen“ Kai Wörner über seine Erfahrungen mit digitalen Tools im Unterricht.

Inklusives Lernen

Die Kombination verschiedener Inhaltstypen ermöglicht es, in einer inklusiven Lerngruppe individueller, differenzierter und eigentständiger zu arbeiten. Die Erklärung eines Sachverhalts erfolgt beispielsweise über ein Video, in dem die Lehrkraft mündlich Lerninhalte erklärt. Der Inhaltstyp “Speak the Words” erlaubt es anschließend, dass der Lernende die Antworten auf Fragen bzw. Übungsaufgaben, die im Anschluss an das Video gezeigt werden, mündlich gibt und so überprüft, ob er den Lerninhalt verstanden hat.

Nachteile

  • H5P kann nur genutzt werden, sofern ein Zugang zum Internet zur Verfügung steht. Dies ist leider nach wie vor nicht an allen Schulen gegeben. Allerdings wird in der Community bereits an einer Offline-Version gearbeitet.
  • Bei der Erstellung von H5P-Materialien durch Lernende selbst kann die Vielzahl von Inhaltstypen zum Teil erschlagend sein: Bei der Erstellung von H5P-Inhalten werden zunächst alle installierten Inhaltstypen angezeigt - erst dann erfolgt durch die erstellende Person eine Auswahl.
  • Sofern H5P nicht in die eigene Moodle, Drupal oder WordPress Website integriert wird, ist zur Erstellung von Inhalten ein eigener Account auf h5p.org erforderlich. Auch dies kann an Schulen auf Schwierigkeiten stoßen, da sich hier datenschutzrechtliche Fragen stellen.
  • Schließlich wird gegenüber H5P zum Teil der Vorwurf erhoben, dass die Inhaltstypen zu sehr an einer formativen Didaktik orientiert sind und deshalb im Widerspruch zu kreativem und offenem Lernen stehen.
  • Nicht zuletzt spielt auch die digitale Kompetenz der Lehrkraft eine große Rolle. Es ist sicher nicht möglich, eine gewinnbringende Unterrichtseinheit mit H5P zu gestalten, ohne sich selbst mit den Funktonsweisen vertraut gemacht zu haben.
  • Schüler*innen brauchen sicher erst eine Einführung, um danach kreativ werden zu können.



Vorteile

H5P ist gebührenfrei nutzbar und befindet sich in stetiger Weiterentwicklung durch eine immer größere Community. Durch die Open Source Gestaltung kann sich jeder und jede an der Weiterentwicklung beteiligen. Im Bildungskontext ist es besonders hilfreich, dass Inhalte heruntergeladen, neu hochgeladen und beliebig weiterbearbeitet werden können. Auf diese Weise muss nicht jeder das Rad neu erfinden, sondern kann einmal erstellte Lerninhalte leicht für andere Lernsettings anpassen.

Bild: H5P im Einsatz. Lizenz: CC-BY 4.0 Kai Wörner

Dabei ist H5P als Tool sehr benutzerfreundlich angelegt und fast ohne Einarbeitungszeit intuitiv nutzbar, wenn man über eine gewisse „digitale Affinität“ verfügt. Jeder Inhaltstyp wird im Editor aber kurz und anschaulich erklärt. Durch die Gestaltung der Inhalte wird man Schritt für Schritt geleitet. Alle Formulierungen und Texte sind spezifisch gestaltbar. Die Bandbreite der Inhaltstypen bietet schon jetzt eine große Vielfalt. Zudem kommen ständg neue Inhaltstypen dazu. Viele sind auch miteinander kombinierbar.

H5P ist geeignet für den Einsatz in einem inklusivem Lernsetting. Lehrende und Lernede können unterschiedliche mediale Formen (Audio, Video, Text, Bild) sowohl für die Fragen als auch für die Antworten wählen. Beispielsweise lassen sich Antworten einsprechen, statt sie zu schreiben. Vor diesem Hintergrund wird H5P unter anderem auch an Förderschulen oder im Kontext des Sprachenlernens eingesetzt.

Insgesamt lässt sich sagen, dass durch den Einsatz von H5P acht wesentliche Grundsätze des digitalen Unterrichtens im Zeichen der 4K verwirklichen werden können:

  • Der Unterricht kann durch den Einsatz von H5P zielgerichtet digitalisiert werden. Es entsteht ein „echter“ Mehrwert und im Sinne des SAMR-Modells eine „Redefiniton“.
  • Das Erstellen von H5P-Inhalten ist aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten gut geeignet, um den Unterricht zu öffnen bzw. echte Gesprächssituationen / Kollaborationssituationen zu kreieren.
  • Die digitale Welt, wie sie z. B. in Moocs stattfindet, wird durch H5P ins Klassenzimmer geholt.
  • H5P-Contenterstellung lohnt sich vor allem bei der Projektarbeit, da sie immer ein Produkt generiert, das andere wiederum nutzen können (Share-Gedanke).
  • Verschiedene Lösungswege sind nicht nur zugelassen, sondern in diesem Falle sogar erwünscht.
  • Die Mitbestimmung der Schüler*innen lässt sich fördern: Sie werden vom Objekt zum Subjekt des Lernens.
  • Gerade bei digitalen Produkten sind Schüler*innen immer sehr stark an Feedback interessiert - dieses Potenzial lässt sich nutzen.
  • Langfristig könnte das Erstellen von interaktiven Lerneinheiten, wie z. B. durch H5P, eine interessante Komponente im Rahmen einer Reform der schulischen Prüfungskultur darstellen.
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